Pfarrkirche St. Martinus

Koordinaten: (50° 52' 10" N 6° 41' 37" O)

Zur Geschichte der Kirche
Als Sigebodo und Magdilidis um 1050 das Martinusstift in Kerpen gründeten, bestand die Kirche mit Sicherheit schon. Bis zur Auflösung des Stifts im Zuge der Säkularisation blieb St. Martinus Stifts- und Pfarrkirche. Ob es schon eine merowingische Eigenkirche des benachbarten Hofes gegeben hat, kann nur vermutet werden. Die Kirche der Gründerzeit wird eine kleine Saalkirche gewesen sein, die um die Zeit der Stiftsgründung durch ein Querschiff erweitert wurde. In der Folgezeit entstand ein dreischiffiges Langhaus. Im 13. Jahrhundert erreichte der Hauptchor seine heutige Größe.
Der Stiftsplatz mit seinen Kanonikerhäusern und die Stiftskirche St. Martinus sind auf einer 1791 angefertigten Karte des Landmessers Joseph Paar überliefert. Die Karte zeigt, dass der Immunitätsbezirk des Stifts von Mauern und Gräben umgeben war und durch drei Tore erschlossen wurde. Nachdem das Stift 1803 aufgelöst wurde, verlegte man die Köln-Dürener Straße, die seit Mitte des 19. Jahrhunderts den Platz und die Kirche trennt. Abgesehen von einigen Kriegsschäden hatte sich der Platz mit Kanonikerhäusern des 18. und Bauten des 19. und frühen 20. Jahrhunderts bis in die jüngste Vergangenheit in seltener Geschlossenheit erhalten. Einer der schönsten Plätze dieser Art wurde erst durch Bausünden der 1970er Jahre zerstört. Der mächtige, 1496 erbaute Turm von St. Martinus markiert weithin die Lage des Kerpener Ortszentrums und ehemaligen Stiftsbezirkes. Nach einem Brand von 1817 erst 1902 auf seine ursprüngliche Größe zurückgebracht, ist der 78 m hohe Turm der dritthöchste im Erzbistum Köln.
St Martinus 1Das Langhaus der Kirche wurde am 25. Februar 1945 infolge eines Luftangriffes in den letzten Kriegstagen völlig zerstört. Es waren nur der Turm, Teile des Querschiffes und des Chores erhalten geblieben. Beim Wiederaufbau galt es, eine Verbindung zwischen dem romanischen Chor und dem spätgotischen Turm zu finden. Nach Plänen von Walter Zimmermann wurde 1952 bis 1953 eine moderne Hallenkirche errichtet, die sich den historischen, erhaltenen Teilen harmonisch unterordnet.

 

© Realisation: Dieter Franzen - Rolf Axer